Der Tilbecker Weg

Unser selbst entwickeltes Beratungskonzept „Tilbecker Weg“ wurde bereits im Jahr 2014 entwickelt und in den Folgejahren für die Beratung zu technischen und digitalen Lösungen angewandt. Von 2018 – 2020 haben wir die zugrundeliegende Methode im Rahmen des Projektes „TAT-Technische Assistenz Tilbeck“ systematisch evaluiert. In dieser Zeit haben insgesamt 106 Beratungen stattgefunden. Mit 96% haben wir eine hohe Zufriedenheitsquote erreicht. Insbesondere die prozesshafte Begleitung – vom Erstkontakt bis hin zur Evaluierenden Maßnahme wurde als sehr hilfreich bewertet.

Im Folgenden stellen wir für Interessierte die unterschiedliche Beratungsbausteine dar:

1. Kontaktphase:

Jedes Beratungsangebot kann nur dann erfolgreich arbeiten, wenn die Zielgruppe um dieses Angebot weiß und es entsprechend auch nutzt. Damit die Zielgruppe uns gut finden können, präsentieren wir unser Angebot über unterschiedliche Wege in den Sozialräumen, damit wir im Bedarfsfall schnell gefunden werden können.

2. Eröffnungsphase:

Die Wünsche und Erwartungen der Ratsuchenden an das Beratungsangebot TAT sind vielfältig. Die Spannbreite bewegt sich von kurzen telefonischen Nachfragen bis hin zu komplexen Beratungssettings.

Hierbei ist es aus Sicht der Stift Tilbeck erforderlich, die Probleme unter Einbezug der Lebenswelt des Ratsuchenden zu betrachten. Damit dieses gelingen kann, bedarf es eines Beratungsansatzes, der über die reine Informationsweitergabe hinausgeht – also prozesshaft angelegt ist. Zudem ist es zwingend notwendig, die Ratsuchenden im Rahmen partizipativer Prozesse bei der Erarbeitung geeigneter Lösungen einzubeziehen. 

3. Beratungsphase: 

Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass Ratsuchende mehrheitlich erst dann bezüglich einer Beratung anfragen, wenn die Problemlagen bezogen auf das eigene Leben so vielschichtig sind, das eigene Lösungsstrategien nicht mehr funktionieren. 

Für einen gelingenden Beratungsprozess ist das gemeinsame Finden der Kernproblembreiche elementar, um darauf aufbauend sinnvolle Ideen zu genieren.

Das Fachkonzept unterscheidet in dieser Analyse im Sinne der ICF zwischen personenbezogenen und umweltbezogenen Barrieren, um entsprechend hemmende und fördernde Faktoren identifizieren zu können. 

Die Person selbst entscheidet im Sinne der Freiwilligkeit, welche Problembereiche erörtert werden. Die Eingrenzung der Problembereiche ist im Analyseprozess auch für die betroffene Person selbst hilfreich, da diese ein klares Bild der eigenen Lebenssituation in Bezug auf vorhandene und alltagserschwerende Barrieren und Faktoren erhält. 

Nach Beendigung der Analyse gilt es, mit allen anwesenden Personen nach geeigneten Lösungen für das Problem zu suchen. Dies kann beispielsweise im Rahmen eines Brainstormings geschehen. Das Brainstorming ist ein offener, partizipativer Prozess, in dem Ideen aller Teilnehmer gesammelt werden. Der Berater agiert hier als Moderator, kann aber auch eigene Ideen einbringen. 

Nach Beendigung dieses Prozesses ordnet die Gruppe gemeinsam alle Ideen mit Hilfe des Clusterverfahrens hinsichtlich der Umsetzbarkeit (schnell, mittel, langsam) und des Aufwandes (niedrig, mittel, hoch). Am Ende des Verfahrens ergibt sich aus der Zuordnung ein konkretes Bild, in dem realistische Ideen gebündelt werden und die weitere Grundlage für eine Bearbeitung bilden. Die Lösungen werden in einem Service-Plan benannt und mit konkreten Zeiträumen bezüglich der Umsetzung versehen. zudem wird festgehalten, wer sich um den (Teil-) Prozess kümmert.

4. Beschaffungsphase:

Nach der Auswahl der passgenauen Lösung gilt es in einem nächsten Schritt die Beschaffung des geeigneten Hilfsmittels zu klären. 

Eine Vielzahl der technischen Geräte und Systeme sind nicht als Hilfsmittel im Katalog der GKV aufgeführt. Häufig ist der Ratsuchende nicht in der Lage die teilweise kostspieligen Geräte aus eigenen finanziellen Mitteln zu zahlen.

Hier leistet die Technische Assistenz Tilbeck Unterstützung. Teil des Beratungskonzepts ist es nach geeigneten Wegen der Finanzierung z.B. über Stiftungen zu suchen.

In der Beschaffungsphase bedeutet dies für den Berater Kontakt zu z. B. Herstellern, Sanitätshäusern und Ärzten aufzunehmen, um in Zusammenarbeit die Beschaffung zu organisieren. 

5. Installationsphase:

Für die Ratsuchenden ist es wichtig, dass die (technische) Lösung wie zuvor geplant und individuell angepasst installiert wird. Während die Installation in den meisten Fällen durch Fachleute durchgeführt wird, hat der Berater einen Blick darauf, ob das Assistenzsystem nach den Vorstellungen und Nutzungsmöglichkeiten des Betroffenen installiert wird. So macht es beispielsweise keinen Sinn,  den Taster zum Rufen eines Aufzugs in einer Höhe anzubringen, die ein Rollstuhlfahrer nicht erreichen kann. 

6. Erfahrungsphase:

Jedes neu implementierte Hilfsmittel benötigt Zeit um im Alltag anzukommen und in all seiner Komplexität verstanden zu werden. Ziel ist es Probleme zu lösen und nicht Probleme zu schaffen in dem ein Hilfsmittel nicht ausreichend Möglichkeit zur Erprobung bekommt und diese adäquat begleitet wird.

In institutionellen Settings gilt es zu beachten, dass jede Technik-Implementierung einen Organisationsentwicklungsprozess nach sich zieht. 

7. Evaluation/Evaluierende Nachsorge:

Nach einer längeren Zeit der Erprobung im Alltag wird mit dem Ratsuchenden evaluiert, ob die Implementierung erfolgreich war und diese einen Nutzen für Ihn darstellt. An dieser Stelle des Phasenmodells kommt es gelegentlich vor, dass ein neuer Beratungsprozess mit der Eröffnungsphase  beginnt, da die Person weitere Problemfelder bearbeiten möchte.

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